Achtsamkeit,  Kommunikation,  Mentalfutter

Ist das Christkind schon mal zu spät gekommen?

„Behandelt die Leute im Handel nett, die können nämlich nichts für euren Weihnachtsstress!“ – ein Spruch, den man in den letzten Tagen immer häufiger auf den sozialen Netzwerken liest. Mir persönlich gefallen auch die folgenden Sprüche sehr gut:

Die Stille zur Weihnachtszeit wird mit jedem Jahr etwas lauter verkündet. (Brigitte Fuchs)

Oder der hier:

Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, warum feiern wir Weihnachten dann nur an Weihnachten? (Engelbert Schinkel)

Und so kommt es, dass wir uns Jahr für Jahr vornehmen, es dieses Jahr endlich etwas ruhiger anzugehen.

Dass Weihnachten heuer wirklich das Fest der Liebe wird. Dass man sich in diesem Jahr nicht von dem Stress der Anderen mitreißen lassen wird. Und dennoch passiert es ebenfalls in jedem Jahr, dass 99,99 % der Erwachsenen Menschen irgendwann der Spruch auskommt: Ja, die letzte Zeit, die war schon ganz schön stressig.

Und nun, gegen Weihnachten hin, nimmt dieses „stressig“ unglaubliche Höhen an – während jeder Einzelne von uns dann doch darauf vergisst, was man eigentlich wollte: in Ruhe endlich einmal die Zeit genießen. Das Jahr ausklingen lassen, egal wie es verlaufen ist. Zur Ruhe kommen. Reflektieren.

Die Frage die ich heute dazu stellen möchte:

Ist das Christkind eigentlich schon mal zu spät gekommen?

Ich persönlich kann diese Frage klar mit einem nein beantworten. Noch nie hat es sich getraut, sich zu verspäten – obwohl mir die Zeit, bis es endlich da ist, schon seit klein auf, immer viel zu lange vorkommt. Ansonsten kenne ich nur sehr wenige Christkind-Geschichten, die damit enden, dass es zu spät kommt. Das sind dann Geschichten, in denen andere Dinge viel wichtiger sind, als die Frage, ob die Geschenke alle rechtzeitig da sind. Und hier sind wir auch schon beim Grundproblem:

Kurz vor Weihnachten reden wir uns alle ein, dass die Zeit bis zum großen Geschenkeverteilen nicht mehr ausreicht. Unser Gehirn vermittelt uns: Gefahr, du hast versagt!

Dabei haben wir nicht versagt, wir haben es einfach nur entweder bisher verabsäumt, uns um die Geschenke zu kümmern. Oder wir sind extrem perfektionistisch und wollen, dass alles, wirklich alles zu Weihnachten zusammenpasst. Wir legen uns selbst eine Messlatte, die wir gar nicht erreichen können.

Typ 1 ist in etwa so: du hast es bist heute, dem 22. Dezember verabsäumt, alle Geschenke zu besorgen.

Sind wir uns doch ehrlich, dann brauchst du dir jetzt auch keinen Stress mehr zu machen. Du gehörst (übrigens so wie ich) zur Kategorie: im Notfall wird es eben wieder ein Gutschein. In meinem Geschenkebeitrag von vor zwei Wochen habe ich ja schon darübergeschrieben, wie wir uns bei der Geschenkesuche selbst stressen. Das gilt auch für die letzten beiden Tage: kein Stress, es wird alles gut. Abgesehen davon, dass dein Umfeld ja sowieso weiß, wie chaotisch du bist und es sich vermutlich schon allein darüber freut, dass es überhaupt eine kleine Aufmerksamkeit bekommt.

Typ 2 ist dann schon eher: ein perfekt dekoriertes Wohnzimmer, schon ein paar Tage vor dem ersten Advent.

Die meisten Geschenke hattest du eigentlich ebenfalls schon vor einigen Wochen besorgt – so wie eigentlich in jedem Jahr. Und dennoch wird die Zeit zum Ende hin wieder knapp. Schließlich sollen sich am Heilig-Abend ja alle wohl fühlen, das Essen soll schmecken und es sollte alles genau so funktionieren, wie du es möchtest.

Wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, kann ich dann nicht meine Lieben auch aktiv um Hilfe bitten? Sie bitten, die Tage rund um den Jahreswechsel mit mir gemeinsam zu schönen Tagen zu machen?

Nachdem du dir die obige Frage mit dem Christkind gestellt hast, wirst du vermutlich festgestellt haben, dass das alles ziemlich absurd ist. Der Stress, der da entsteht, kommt also nur von uns selbst. Warum kann man denn da nicht einfach mal die Liebsten öfter aktiv um Hilfe fragen? Ich erzähle hier jetzt einmal sehr Klischee mäßig:

Schickt doch mal den Mann alleine einkaufen, während ihr den Baum aufputzt. Mir ist schon klar, dass in den meisten Fällen nicht alle Lebensmittel dabei sind, die dabei sein sollen. Dann schreibt aber einfach Pizza mit drauf auf den Einkaufszettel – und wenn tatsächlich so viele Zutaten auf der Einkaufsliste fehlen, dass ein Weihnachtsbraten nicht mehr drinnen ist, dann gibt es im Worst Case eben Pizza. Die wird vermutlich den meisten am Tisch auch besser schmecken, als der Braten, zumindest wenn alle ganz ehrlich wären 😉 Bei uns gibt es beispielsweise an Weihnachten immer Frankfurter mit Kartoffelsalat – das ist einerseits das beste Festtagsmahl, das ich mir seit klein auf vorstellen kann. Zum Anderen denke ich, können die meisten Leute hierfür die richtigen Zutaten einkaufen. 😀

So ein Braten ist echt lecker, aber es geht einfach darum, sich selbst den Stress zu nehmen. Und er schmeckt am Ende eben noch besser, wenn wenig Stress und viel Liebe dahinterstecken.  

Wenn du dich aber wirklich nicht traust, deine Familie zum Einkaufen zu schicken, dann geh selbst einkaufen und lasse inzwischen jemand anderen den Baum herrichten. Es ist ziemlich egal, wo welche Kugel am Ende hängt. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Auch so ein Punkt, den viele irgendwie nicht so recht abgeben möchten.

Genau darum geht es aber:

Welche Aufgaben könnte das „perfekte Christkind“ vielleicht doch abgeben?

Ist es vielleicht egal, ob die Kugeln genauso hängen, wie man selbst es möchte? Oder ist das Festtagsmahl vielleicht eh ganz leicht zu besorgen? Muss man vielleicht gar kein großes Drama machen, bevor alle zu Besuch kommen?

Hier sind wir wieder bei der schmerzhaften Erkenntnis, dass wir selbst auch ein bisschen dazu neigen, alles aufzublasen.

Wenn Weihnachten also das Fest der Liebe sein soll, dann nutzt die Liebe um euch herum. Macht Teamwork – greift alle gemeinsam an. Das gibt am Ende ein perfektes Ergebnis, an dem alle ihren Anteil haben. Und alle sind in Summe ein bisschen glücklicher, weil die Zeit davor viel ruhiger war.

Ich könnte übrigens ziemlich lange darüber schreiben, was sich an Weihnachten alles eignet, um es ruhiger zu erleben. Aber im Endeffekt möchte ich dich nur noch einmal an die folgende Sache erinnern:

Wenn dich in den nächsten Tagen irgendwann ein inneres Gefühl von Stress überkommt, dann stell dir bitte noch einmal die Frage:

Ist das Christkind schon einmal zu spät gekommen?

In diesem Sinne wünsche ich euch allen schon heute: Frohe Weihnachten und ein ruhiges, entspanntes Fest mit euren Liebsten.  


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