Achtsamkeit,  Mentalfutter

Die Geschenkejagd

Oh Schreck, oh Schreck: ich habe noch immer nich alle Geschenke. Oder auch: wie wir uns bei der Sucha nach den passenden Geschenken selbst im Weg stehen

Jedes Jahr vor Weihnachten stehen wir alle vor der gleichen großen Herausforderung: was schenke ich dieses Jahr meinen Liebsten bloß wieder? Dabei kann es zum einen eine finanzielle Frage sein, was man schenkt. Das Problem kann aber auch sein, dass der oder die Beschenkte ja eh schon alles hat oder man einfach definitiv nicht weiß, worüber sich der andere freut. „Ich brauch nix“, bekommt man dann oft zu hören – was ja eigentlich sehr schön ist. Mit diesen ganzen Problemen im Gepäck ist mir aufgefallen: sehr häufig, stehen wir uns bei der Geschenkesuche selbst im Weg. Das beginnt mit dem folgenden Problem:

Wir suchen nach Geschenken, die den Wert der emotionalen Bindung, die wir zu einem Menschen haben, widerspiegeln!

Diese Geschenke werden wir in den seltensten Fällen finden. Vermutlich gibt es gar kein Geschenk auf der Welt, dass eine Beziehung zwischen zwei Menschen auch nur annähernd beschreiben kann. Das ist aber auch gar nicht notwendig!

Gerade bei Kindern vergessen wir beispielsweise oft: Bis zu einem bestimmten Alter ist es völlig irrelevant, was das Christkind unter den Baum legt. Kinder kennen den finanziellen Wert von einem Geschenk nicht und freuen sich eigentlich über alles. Und trotzdem brechen hier immer wieder Wettkämpfe darüber aus, welcher Verwandte denn jetzt das beste Geschenk besorgt hat.

Die Intention zu schenken ist immer die Gleiche: egal ob man eine Playstation kauft oder einen Schoko-Nikolaus um 50 Cent – die Augen der Beschenkten sollen möglichst groß leuchten.

Ähm, die suche nach den passenden Geschenken ist doch kein Wettkampf. Oder etwa doch?

Die nächste Riesenaufgabe sind dann die Geschenke für Geschwister, Mütter, erwachsene Kinder, Partner und Freunde. Den ganzen Schrank voller Parfums, möchte man nicht noch ein Parfum als Geschenk besorgen – das wäre ja einfallslos. Einer Person, die nur auf Action steht, braucht man doch keinen Wellness Tag schenken – das wäre verfehlt. Dem Bruder das einhundertste Playstation Spiel schenken möchte man nicht, er hat ja schon 99 davon und es soll ja schon was Besonderes sein – wieder einfallslos! Ja, die Geschenkesuche ist ganz schön anstrengend – vor allem weil wir selbst bei jeder Idee denken: Das ist einfach nicht gut genug!  

Klar, das Geschenk soll der oder dem Beschenkten gerecht werden. Schenken ist da, um eine Freude zu machen. Muss man sich selbst aber deshalb so viele Steine in den Weg legen?

Das Wichtigste am Schenken sollte sein, dass der oder die Andere sich freut. Dass das „Danke“, das hinterherkommt, von Herzen ist. Wir wollen uns darüber freuen, dass sich der Andere freut. Ich setze in dieser Beziehung jetzt also voraus, dass man den anderen offensichtlich gerne hat. Wenn man den anderen gerne hat, gibt es aber in Wahrheit genau zwei Optionen: entweder, du kannst genau abschätzen, worüber sich dein Gegenüber freut oder du greifst komplett ins Klo.

Geschenke sind eine tolle Möglichkeit einmal Danke zu sagen. Allein die Intention ist schon großartig - du musst dich deshalb nicht unnötig stressen.

Viele Geschenke schließen wir selbst von vornherein aus, nur weil sich die Beschenkten von Haus aus nicht damit beschäftigen.

Ich greife nochmal auf das Beispiel von oben zurück: Wenn der Schrank voller Parfums ist, freut sich die Person vermutlich auch über ein Weiteres. Oder im Notfall eben auch über einen Gutschein für ein Parfum, wenn du dich absolut nicht traust, eines zu kaufen – dann stehen wir uns wieder selbst im Weg: ich kann doch keinen Gutschein kaufen! Eine Person, die immer nur Actionurlaube macht, würde vielleicht selbst nie Geld für einen Wellnessurlaub ausgeben – freut sich aber vielleicht gerade deshalb darüber, wenn sie damit beschenkt wird. Und der Bruder, der schon 99 Spiele hat, freut sich auch über das einhundertste – sonst hätte er vermutlich keine anderen 99 davon. (Grüße an dieser Stelle an meinen Bruder, der meinen Blog zwar bestimmt nicht liest, aber, falls du es doch tust: du bekommst trotzdem kein Playstation-Spiel von mir 😉 )

Hab‘ doch einfach Mut zu anderen Geschenken! Animiere deine Mitmenschen dazu, auch mal was anderes zu probieren. Was soll denn bitte Großartiges passieren?

Der Best Case ist: ein neues, anderes Geschenk, animiert dazu, einmal etwas anders zu machen. Und wenn das Geschenk doch mal daneben geht: bei einer neuen Handtasche kannst du den Zettel aufbehalten, das ist keine Schande! Wenn du dein Gegenüber dann beim Auspacken beobachtest und du merkst, dass die Tasche nicht gefällt, kannst du auch so offen sein und sagen: „Hey, ich habe die Rechnung. Wenn sie dir nicht gefällt, dann gehen wir gemeinsam hin, tauschen sie um und du suchst dir einfach eine andere aus.“ Das ist aller Voraussicht nach einer von einhundert Fällen und sollte zu keinem Bruch in einer Beziehung führen. Auch hier gilt wieder: du kennst deine Leute, du siehst beim auspacken, ob ihnen etwas gefällt oder nicht.

Wir wissen also eigentlich genau, was passen könnte. Wir lassen uns im vorweihnachtlichen Stress nur ziemlich stark verunsichern. Umgeben von den besten, teuersten Geschenken, ist das eigentlich perfekte Geschenk plötzlich nicht mehr gut genug. Verlass dich einfach mehr auf deinen Instinkt – es geht nicht um den Wert des Geschenkes, es geht um die Intention dahinter.  

Wir beschenken zu Weihnachten nicht, DAMIT uns irgendjemand mag. Wir beschenken, WEIL uns das Gegenüber mag und WEIL wir es mögen.

Zugegeben, es gibt bestimmt Personen, die schenken, damit sie gemocht werden. Wenn das der Fall sein sollte, dann tut es mir leid. Ich gehöre zu den Personen, die nicht daran glauben, dass man sich langfristige Liebe erkaufen kann.

Wir dürfen die Grundidee – nämlich, anderen eine Freude zu machen – hinter dem Schenken nicht vergessen. Wir sollten uns auf unser Gefühl verlassen und mehr darauf vertrauen, dass wir schon ganz gut wissen, was den Menschen, die wir gerne haben, gefällt. Nehmt euch selbst den Druck und steht euch bei der Geschenkesuche nicht allzu sehr im Weg. Und macht einfach kein Drama draus – bei dem einen Prozent, wo du vielleicht tatsächlich ins Klo greifst, lachen doch spätestens einen Tag später sowieso alle darüber.

Zum Abschluss habe ich hier noch meine persönlichen Geschenketipps zusammengefasst:

  • Vor allem für Kinder zusammenzahlen, ein „großes“ Geschenk besorgen. Irgendwas, was man gemeinsam zusammenbauen kann führt dann dazu, dass man die Zeit zu Weihnachten auch endlich gemeinsam genießen kann. Kinder freuen sich zwar, wenn sie so viele Geschenke wie nur möglich öffnen können – aber am Ende spielen sie doch trotzdem nur mit einem. Gilt übrigens auch für Erwachsene!
  • In der Großfamilie und in großen Runden: Wichteln! Es gibt immer wieder Personen, die meinen, dass jeder von jedem beschenkt werden muss. Aber im Endeffekt sind alle froh, wenn man sich am Ende nur um ein Geschenk scheren muss.
  • Der Geldtopf: schmeißt in einer Runde alle das Geld, dass ihr sonst für Geschenke ausgegeben hättet, in einen Topf und unternehmt etwas gemeinsam damit. Ich mache das mit meinen Mädels seit letztem Sommer auch bei jedem Geburtstag – und nächstes Jahr fahren wir damit einmal gemeinsam auf Urlaub!

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