Mentalfutter

Berufsbegleitend studieren – the story of my life

Wenn man in meinen Beiträgen irgendwann von „Semester“ oder „Sommerferien“ oder sonstigen freien Tagen liest, dann heißt das meistens nicht, dass ich automatisch Freizeit habe, sondern nur, dass ich an den Wochenenden nicht an der Fachhochschule in Eisenstadt sitze. Ich studiere nämlich, berufsbegleitend, Human Resource Management an der FH Burgenland (Masterstudium). Davor habe ich mir bereits knappe 3 Jahre denselben „Wahnsinn“ gegeben – mit dem Bachelorstudium Information, Medien & Kommunikation – ebenfalls an der FH Burgenland. Aktuell bin ich im Endspurt des ersten Jahres von meinem Masterstudium – ein Ende ist also in Sicht! Da das Studium einen großen Teil in meinem Leben eingenommen hat, vor allem die berufgsbegleitende Organisation, war es mir wichtig, meine Gedanken darüber loszuwerden.

Was heißt berufsbegleitend studieren?

An der FH Burgenland heißt berufsbegleitend, dass man circa alle zwei Wochen Freitagnachmittag und Samstag den ganzen Tag auf der Fachhochschule anwesend sein muss – zusätzlich gibt es noch Fernlehre unter der Woche vor dem PC und viele, viele Gruppen- und Seminararbeiten, die man bis zum nächsten Termin fertig haben sollte. Also alles gleich wie bei vielen anderen Studiengängen auch.

Es gibt auch FH’s die jedes Wochenende Präsenzeinheiten anbieten oder nur an bestimmten Tagen, beziehungsweise wochentags abends und dafür weniger Fernlehre unter der Woche haben. Auch gibt es mittlerweile viele Fern-Universitäten, teilweise fast komplett ohne Anwesenheit, teilweise mit einigen wenigen Blockterminen  – hier muss jeder für sich selbst herausfinden, was die beste Variante für einen selbst ist.

Die außerordentliche Belastung

Berufsbegleitend studieren klingt zwar  für viele auf der einen Seite schon aufregend und ein bisschen nach Wahnsinn, aber es ist mit einer guten und durchdachten Organisation auf jeden Fall machbar. Bevor man sich dazu entscheidet, seine Wochenenden oder Abende mit Weiterbildung zu verbringen, sollte man aber einige Punkte beachten. Ich beispielweise hätte eben auch in Graz berufsbegleitend studieren können, hätte dann aber jedes Wochenende Anwesenheitspflicht gehabt. Für mich persönlich ist es der bessere Weg „nur“ alle zwei Wochen von Graz nach Eisenstadt zu fahren. Die Wochenenden an denen FH ist, sind nämlich zu einem großteil einfach „weg“. Vielleicht hat man die Chance die Stunden im Job etwas zu reduzieren – so habe ich es ebenfalls eine Zeit lang gemacht und konnte dadurch auf jeden Fall mehr Arbeit in mein Studium stecken.

Mir persönlich sind in den vergangenen Jahren dabei einige Punkte aufgefallen, denen ich vor dem Studium nicht die gleiche Beachtung geschenkt habe, worauf ich aber gerne zumindest vorbereitet gewesen wäre.

Familie und Freunde gehören eingeweiht

 und zwar ganz. Im Idealfall bringen wirklich alle Verständnis dafür mit, dass man eben tatsächlich nicht mehr so viel Zeit hat wie davor. Ich kenne aber beispielsweise nicht viele Freundinnen, die erfreut darüber waren, dass ich zum dritten Mal in Folge die Geburtstagsfeier verpasst habe, weil diese eben wieder an einem Freitag war, an dem ich fernab von meiner Heimatstadt FH hatte.

Verständnis im Allgemeinen:

Ich habe vor ein paar Monaten damit aufgehört, den FH-Stress in mich reinzufressen. Meinen Freunden, meiner Familie und auch meinen Arbeitskollegen erzähle ich gerne, wenn es gerade stressig ist. Ich erzähle ihnen, wie es mir geht und warum es gerade am Semesterende anstrengender für mich ist, als zu Beginn. Dadurch fällt es anderen leichter, zu verstehen, dass ich manchmal eben auch einfach keine Lust habe, mich mit jemandem zu treffen oder dass ich eben tatsächlich gerade keine Zeit habe. Ich habe für mich bemerkt, dass ich bei halbherzigen Treffen nicht dieselbe Aufmerksamkeit mitbringe wie zu jenen, bei denen ich wirklich voll dabei bin – und nicht dauernd daran denken muss, was als nächstes noch erledigt gehört. Auch das erkläre ich meinen Freunden und meiner Familie – bis jetzt hatte ich hier selten Schwierigkeiten. Die Menschen, die einen wirklich gern haben und denen man am Herzen liegt, unterstützen einen im Vorhaben und werden einem nicht böse sein, wenn man offen anspricht, was gerade Sache ist.

Das zusätzliche Päckchen!

Eine Zeit lang wusste ich nicht, warum es mir momentan schwer fällt, abzuschalten, obwohl ich beispielsweise Ferien hatte. Aber sobald noch eine Abgabe, eine noch so kleine Prüfung ansteht oder etwas Anderes zu tun ist, läuft diese Sache irgendwie immer im Kopf mit. So hatte ich beispielsweise im Bachelor von dem zweiten auf das dritte Studienjahr ganze vier Monate Sommerpause – aber da ich schon meinen Antrag für die Bachelorarbeit verfassen musste, konnte ich in keinem der Monate so richtig abschalten! Es ist mir einfach nicht gelungen, mich im Sommer zu hundert Prozent entspannen. Natürlich kommen dann meistens auch noch andere Pakete wie der Job oder etwas Privates dazu, aber im Kopf fährt beim Studium dann quasi immer das Zusatzpäckchen mit „du musst noch etwas erledigen, vergiss das ja nicht!“. Genau dieses Päckchen kann auf Dauer zu einer großen Belastung werden – mit der Zeit lernt man aber doch, es hin und wieder einfach auf die Seite zu legen, wenn man es auch aktiv als Päckchen betrachtet.

Eine weitere Kenntnis die ich gewonnen habe: nicht alle, werden dich in deinem Vorhaben unterstützen. Es gibt Leute, die geben dir den vollen Rückhalt, es gibt aber auch genügend, die nicht verstehen, warum man schon wieder auf der Uni ist, statt sich auch einmal um Freundschaften zu kümmern. Im Zuge des Studiums findet man dafür aber auch heraus, wer wirklich hinter einem steht und auch in in schwierigen Zeiten zu einem hält und wer nur ein sogenannter „Schönwetter“-Freund ist.

Was sind die Vorteile?

Zu den Punkten, die man vorab bedenken sollte, gibt es viele, viele Vorteile, die für das berufsbegleitende Studium sprechen. Im Studium lernt man im Normalfall viele Leute kennen, die bereits in der Branche arbeiten und einem viele wertvolle (manchmal auch nicht ganz so wertvoll 😉 ) Tipps geben können. Man kann, parallel zur Arbeit, ein Studium anstreben und verzichtet dabei währenddessen nicht auf die Berufserfahrung. Zusätzlich hat man auf einer Fachhochschule häufig Vortragende aus der Praxis, man bekommt viele aktuelle und auch tatsächlich anwendbare Inputs, kann sich mit anderen Kollegen austauschen, die eventuell die gleichen Probleme und Challenges meistern müssen. Zusätzlich wird das Organisationstalent trainiert und in jenen Firmen, in denen das „Nebenbei-Studieren“ willkommen ist, wurde beispielsweise meine Studienform in den Bewerbungsgesprächen bisher immer als bewundernd und als Vorteil gegenüber anderen Bewerberinnen und Bewerbern angesehen. Alles in einem kann ich es jedem empfehlen, sich zusätzlich zur Arbeit weiterzubilden. Unterschätzt allerdings nicht den Aufwand, der da auf einen zukommt und die Tatsache, dass das Studium zu einem großen Zeitraum, den höchsten Stellenwert im Leben einnimmt.

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