Mentalfutter

Über das Bauchgefühl

Gleich vorab… in diesem Beitrag geht es nicht um Schmetterlinge im Bauch oder so. Es geht darum, dass du deinem Grundgefühl viel öfter vertrauen solltest.

Nicht erst einmal ist es bei mir vorgekommen, dass ich in meinem Leben wichtige Entscheidungen treffen musste und mir einfach nicht sicher war, was ich machen soll.  Bestimmt kennst du das auch. Nicht erst einmal ist es dabei passiert, dass ich rückwirkend betrachtet dann vielleicht doch die falsche Entscheidung getroffen habe. Und ebenfalls nicht erst einmal ist es dabei vorgekommen, dass ich im Nachhinein betrachtet bereits vorm Treffen der Entscheidung, das richtige Gefühl für die Situation in mir hatte: aber weder im Kopf noch mit meinem Herzen konnte ich die Situationen richtig einschätzen – vielmehr es war das Bauchgefühl, das von Anfang an gesagt hat: „Bist du dir da wirklich ganz sicher?“. Ein mulmiges Gefühl, ein bitterer Beigeschmack oder aber in positiven Situationen auch ein klares „Ja, das ist voll cool!“ aus der Körpermitte heraus.

Vor allem die Entscheidung, die Bank zu verlassen, war bei mir primär eine Entscheidung, die ich mit dem Herzen getroffen habe. Bei dem Gefühl, die Bank und das Kerngeschäft zu verlassen, dass mir keinen Spaß mehr bereitet hat, hatte ich auch tatsächlich ein gutes Bauchgefühl. Wobei ich allerdings kein gutes Bauchgefühl hatte, war die Tatsache, den erstbesten Job im Marketing anzunehmen, der mir zugesagt wurde: 70 Kilometer von meinem zu Hause entfernt: ich musste ein Auto kaufen, in Zukunft jeden Tag knappe zwei Stunden mit dem Auto fahren und war mir aus dem Bauch heraus nicht ganz sicher, ob das jetzt wirklich passen wird. Könnte mein Bauch sprechen hätte er in etwa solche Dinge gesagt wie: „Jeden Tag zwei Stunden mit dem Auto fahren, so viel Spaß macht dir Autofahren doch gar nicht, oder?“ und „Bist du dir sicher, dass tatsächlich du in dieses Team passt?“. Aber mein „Herzgefühl“ war so besessen von der Idee, sich endlich von dem Bankalltag zu befreien und mein Kopf hat mir parallel noch dazu gesagt, dass es nur ideal sein kann, in das Marketing einer großen Logistik-Firma zu wechseln. Dieser Effekt wurde noch dadurch verstärkt, dass mir fast mein ganzes Umfeld quasi zugejubelt hat: „Das ist perfekt, ein Marketing-Job in so einer tollen Firma!“ Nur einige wenige Personen, haben hier eigentlich leise Zweifel geäußert – aber vermutlich auch schon gewusst und gleichzeitig respektiert, dass ich auch einmal alleine auf die Nase fallen muss. Jemandem der sich gerade sehr über etwas freut zu sagen, „Hast du das auch fertig gedacht?“, ist bestimmt keine leichte Aufgabe. Bereits am ersten Tag in der neuen Arbeit hat mir mein Bauchgefühl dann aber bestätigt: „Ohje, das kann was werden.“ In der zweiten Woche habe ich bereits auf karriere.at begonnen, mir einen neuen Job zu suchen. Drei Monate später habe ich denselben Fehler noch einmal gemacht: aus einem überschwänglichen „ich muss weg hier“ Herzgefühl habe ich eine Stelle angenommen, bei der ich in Wahrheit von Haus aus betrachtet ebenfalls wieder kein gutes Bauchgefühl hatte. Aber zumindest musste ich dann nicht mehr so weit fahren. Weitere vier Monate später kam es für mich dann zum Eklat, für mich war eindeutig klar: ich möchte ab sofort bei großen, wichtigen, Entscheidungen absolut immer darauf achten, was mein echtes, inneres Bauchgefühl mir mitteilt.

Ist es aufgeregt, weil etwas Neues, Großartiges auf mich zu kommt oder hat es bereits einen leichten negativen Beigeschmack? Äußert mein Bauchgefühl Zweifel, obwohl der Kopf oder das Herz sich längst entschieden haben? Fühlt sich das Bauchgefühl gut an (und ein bisschen aufgeregt), wenn ich mich in die neue Situation denke oder kann es sich eigentlich nicht mit der Situation anfreunden? Wird mir gar schlecht, wenn ich dran denke? Meine nächste Karriere-technische Entscheidung habe ich aus dem Bauch heraus getroffen, obwohl mein Kopf mir eher geraten hätte, die Stelle nicht anzunehmen. Und zumindest bis heute, habe ich diese Entscheidung noch nicht bereut.

Speziell vor Situationen in denen es um etwas Wichtiges, Großes für mich geht, und ich kurz vor einer großen Entscheidung stehe, versuche ich auf den Bauch zu hören – ich bin noch nicht perfekt darin und schaffe es keinesfalls in jeder Situation mich voll auf mein Bauchgefühl zu verlassen, aber wie wir ja wissen, macht Übung den Meister. Die Entscheidung ist zu einem großen Teil schon fast getroffen – das Ziel scheint für einen selbst zu passen, aber nicht alles was Gold ist glänzt auch. Mit dem Bauchgefühl kann man Situationen besser beleuchten und sich noch Aspekte und Sichtweisen einholen, die man zuvor vielleicht nicht beachtet hat. Vor allem wenn man aktiv beginnt, die verschiedenen Emotionen die in einem hochkommen, zu trenne.

Wie ich die „drei Stimmen“ in mir beurteile:

Herz
Das Herz ist meistens der gefühlvollste Part, wenn es darum geht, nach welchen Kriterien eine Entscheidung getroffen wird. Man wird mehr verdienen und kann sich ein schöneres Kleid kaufen, weniger lang als davor in die Arbeit fahren, hat mehr Freizeit, man ist in einem Job mit Prestige-Status, die Leute werden mich bewundern, ich mache genau das was ich möchte, und so weiter und so weiter! Das Herz pocht höher, wenn man an den neuen Job denkt – oder im privaten an diesen neuen Menschen denkt, den man gerade kennengelernt hat. Es ist quasi ein Selbstläufer, man kann es nicht ganz kontrollieren – es ist eben doch unser Herz, das in vielen Situationen einen eigenen Weg geht, der mit objektiven Aspekten in keinster Weise abgesprochen ist.

Kopf
Zu dem Herz kommt dann der neutrale, pragmatische und sachlich denkende Kopf. Mehr Gehalt = mehr leisten können. Überleben gesichert. Beim neuen Partner schaltet sich der Kopf vielleicht erst einmal mit Skepsis ein: wird das alles einfach so klappen? Wie war es bisher? Mag der mich überhaupt oder wird hier nur etwas vorgespielt? Der Kopf trifft ebenfalls Entscheidungen, lässt dabei aber eben die Gefühlsebene zu sehr außer Acht. Menschen, die sich als Kopfmenschen bezeichnen, werden wissen wie es ist, wenn man den Kopf entscheiden lässt. Vor allem emotionale Entscheidungen werden dann nicht vermutlich immer richtig getroffen. Dass der Job vielleicht gar nicht das ist, was man wirklich möchte oder wo man langfristig auch arbeiten kann, wird vom Kopf eher ausgeblendet, wenn das Gehalt auf den ersten Blick einfach wow ist. Neue Situationen werden vom Kopf definitiv anders bewertet, als es das Herz oder der Bauch machen wird.  

Bauch
Und speziell bei der Situation mit dem Gehalt oder dem neuen Job kommt dann das Bauchgefühl zum Einsatz. Das Bauchgefühl sagt einem, wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, bereits im ersten Moment „Ist das denn wirklich das, was du machen möchtest und wofür du so lange gekämpft hast?“  Der Bauch wird nicht gleich überschwänglich von dem neuen Job abraten weil das Gehalt schlecht ist oder die Kollegen nicht ganz sympathisch wirken, aber er bringt zumindest ein Grundgefühl in jede Situation mit und ist aus meiner Sicht der Vermittler zwischen dem Kopf und dem Herzen. Und aus diesem Grund versuche ich in Situationen, in denen ich mir nicht ganz sicher bin, so viele Punkte wie möglich zu beachten und höre dann noch einmal auf mein inneres Bauchgefühl. Ich meine damit nicht die Schmetterlinge im Bauch oder das Schwammige Gefühl vor einem Bewerbungsgespräch, ich meine das bewertende Gefühl, dass man einfach mit sich herumträgt, wenn gerade etwas passiert oder passiert ist. Entweder es ist gut oder schlecht oder eben nicht ganz sicher. Und bereits wenn es nicht ganz sicher ist, sollten alle Alarmglocken läuten – genau dann solltest du deine Entscheidung noch einmal überdenken und neue Aspekte hinzuziehen.

Sei ehrlich zu dir selbst.

Wichtig bei allen drei Aspekten ist, dass man ehrlich zu sich selbst ist. Bewertet man eine Situation nun besser oder schlechter als sie eigentlich ist, ohne alle Punkte beachtet zu haben? Was sind rationale Gefühle und wie empfinde ich wirklich, wenn ich daran denke, wie ich mich entschieden habe? Es bringt dabei nichts, sich anzulügen oder sich zu sagen, dass man sich nicht anlügt – das fällt einem irgendwann garantiert auf den Kopf. Eine Situation von Anfang an ehrlich zu betrachten und die einzelnen Punkte aus der Sicht von Herz, Kopf und eben speziell dem Bauch zu bewerten wird dabei helfen, langfristig die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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